Mittwoch, April 24, 2013

Die Klapperkiste, genannt Bus


Jeden Tag bin ich auf ihn angewiesen, meinen stickigen, lauten Freund. In der Morgenstunde erfreut er mich durch einen angenehmen Geruch, eine passable Innentemperatur und absoluter Ruhe. Ja, diese Busse, nennt man schlechthin Schul – oder Reisebusse und sie sind kein Vergleich zu ihren Geschwistern, den Ramschkisten des Nachmittags.

Heute war wieder solch ein Wochentag, an dem ich eine dieser Klapperkisten in Kauf nehmen musste. Neben dunklen Scheiben, die vom Dreck der Zeit so sehr in Anspruch genommen wurden, dass man nicht einmal die grünen Felder erblicken kann, bis hin zu dem lauten Geräusch des Motors, dass einem einen Schauer über den Rücken jagt, weil es aufheult wie ein Untier, ist alles vorhanden.

Hat man tatsächlich einen Sitzplatz ergattert ist die Stimmung im ersten Moment okay. Doch sobald sich der Bus in Bewegung setzt, wird einem schnell klar, dass man demnächst lieber laufen sollte. Die Sitzbänke in den hinteren Reihen entwickeln ein Eigenleben und vibrieren im Takt der Reifen. Ironischer Weise denken einige Fahrgäste laut über den Vergleich mit einem Vibrator nach, was mich zum einen schmunzeln lässt und zum anderen gänzlich verunsichert.

Hat man diese Hürde akzeptiert, kommen die anderen Macken des mindestens 20 Jahre alten Gefährts ans Licht. Beim Überqueren des Bahnüberganges, wird man regelrecht in die Luft gehoben und stößt hart gegen die vorderen Sitze. Ob das nun etwas mit fehlender Federung zu tun hat, ich weiß es nicht. Fakt ist: Als Kind fand ich diesen Umstand lustig, als Jugendliche eher unangenehm.

Kommen wir zu den Fenstern, die sich nur schwer oder gar nicht öffnen lassen und den sturen Hintertüren, die trotz flehender Worte des Busfahrers, es partout nicht einsehen wollen, sich zu schließen. Als ich mich lächelnd rührte, fluchte der Busfahrer und rief mir „Bloß nicht rausspringen“ zu. Ein Umstand der definitiv die Sicherheit in einem solchen Gefährt bestätigt.

Natürlich ist es mir klar, dass sich nicht jeder Bus eine Klimaanlage leisten kann. Ich akzeptiere das und setze das keineswegs voraus. Doch wenn, wie derzeit, der Frühling an manchen Tagen zur Sommerbrise wird, entwickelt sich der Bus zur Sauna und die grauenvollsten Gerüche der Sitze und Mitmenschen kommen zum Vorschein. Da hilft nur eins: Luft anhalten und hoffen, dass man das Gefährt bald verlassen darf.

Aber ist es überhaupt erlaubt Schülern eine solche Ramschkiste als Bus zu verkaufen? Immerhin zahle ich im Monat 58€ für die Nutzung von Zug/Bus und erwarte für mein Geld wenigstens einen Sitz, der mir nicht durch Geruch und Aussehen seine Geschichte preisgibt. Ganz davon zu schweigen, dass der Bus wegen kaputter Bremsen, etc. zur Reparatur muss. Und wenn er zurück ist, in neuem Glanz, sinken die Hoffnungen auf Besserung mit dem Anlassen des Motors.

Das einzige was den Gedanken an diese Klapperkisten wieder wettmacht, sind die Busfahrer. Jene geplagten Seelen die genauso unter dem Gestank, dem Lärm und den Macken der Maschine leiden müssen. Ihre freundliche Art erheitert die düsteren Stunden. Ich kenne mittlerweile nicht einen Busfahrer, der jemals seine schlechte Laune gezeigt hat, oder sonst in irgendeiner Weise unfreundlich war. Ein riesiger Pluspunkt, der dennoch meine Ausgaben in einer solchen Höhe keinesfalls rechtfertigt.

Und was sagt uns das? Wenn man nicht auf den Bus angewiesen ist: Nehmt lieber den Zug, das Rad oder an schönen Tagen, geht zu Fuß.  

 

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